Lagom schwedisch wohnen

Sie erinnern sich an das dänische Lebensgefühl Hygge, das zu einem echten Wohntrend geworden ist. Nun haben die Schweden nachgezogen und präsentieren uns den Einrichtungsstil Lagom, der – wie wir fast vermutet haben – ebenfalls das ganze Leben umfasst. In dem Fall sucht Lagom die goldene Mitte im Leben.

Von den Skandinaviern können wir uns jede Menge abschauen. Nicht ganz ohne Grund lieben wir den nordischen Einrichtungsstil, der zwar irgendwie clean wirkt, aber trotzdem eine unendlich gemütliche Atmosphäre schafft. Und so gut, wie die Skandinavier in Sachen Wohnraumgestaltung sind, sind sie auch in ihrer Einstellung zum Leben. Deswegen ist es kaum überraschend, dass mit „Lagom“ nun ein schwedischer Wohntrend bei uns Einzug hält, der viel mehr als ein Einrichtungsstil ist.

Lagom – die innere Mitte finden

Lagom stammt vom schwedischen Ausdruck “Lagom är bäst“– eine eindeutige deutsche Übersetzung gibt es für dieses Wort nicht. Aber bei den Schweden bedeutet es so viel wie „die goldene Mitte“ oder „das richtige Maß“. Und fragt damit: Was brauchen wir eigentlich im Leben, um die goldene Mitte finden. Dazu zählt neben der richtigen Einstellung zum Leben, zu unserem Umfeld und zu unserer Umgebung auch die passende Wohnraumgestaltung, die uns glücklich macht.

Aber was brauchen wir denn wirklich, um im Alltag zufrieden zu sein: Wer sich genau hinterfragt, stellt schnell fest, dass wir das Glück meistens direkt vor der eigenen Nase haben. Und so ist es kein Wunder, dass viele Menschen sich bewusst vom Überfluss im Leben verabschieden und auf eine reduzierte Lebensweise setzen, die auch noch nachhaltig daherkommt.

Lagom und die Achtsamkeit: Auf die innere Stimme hören

Bei Lagom geht es darum, die Balance im Leben zu finden – und zwar in allen Lebensbereichen. Denn die bestimmen, wie gelassen wir mit dem Hier und Heute umgehen. Wir haben fünf Beispiele:

  • Beruf und Freizeit: Wer viel arbeitet, muss auch Pausen machen. So erst hält unser Körper das richtige Gleichgewicht und bleibt gesund. Insofern: Im Büro die Mittagspause bewusst wahrnehmen und irgendwann am Tag auch einmal Feierabend machen.
  • Medien: Das Internet schläft nie – und durch das Smartphone werden 24/7 mit sinnvollen und unnötigen Informationen bedient. Tipp: Sich jeden Tag für einige Stunden Auszeit vom Smartphone gönnen und es einfach in der Tasche lassen, auch wenn es schwerfällt.
  • Ernährung: Sie lieben essen und trinken? Das geht den meisten Menschen so. Aber statt zu viel zu essen – und das vielleicht noch alleine und vor dem Fernsehen – sollten wir unsere Nahrung bewusst zu uns nehmen – am liebsten am gemeinsamen Esstisch mit der Familie oder Freunden.
  • Wohnen: Müssen wir wirklich hinter jedem Wohntrend herrennen und uns passend zu den scheinbar neuen Trends einrichten? Lagom empfiehlt die ausgewogene Einrichtung mit hochwertigen Möbeln, die für lange Zeit zu uns und unserem Zuhause gehören. Das eine oder andere Accessoire und eine Lieblingsfarbe im Raum zu platzieren ist ok, aber sollte immer im richtigen Maß stattfinden. Sonst können wir selbst nicht zur Ruhe kommen.
  • Kleidung: Sommer-, Winter- und Zwischenkollektionen sorgen dafür, dass wir immer das Gefühl haben, niemals passend gekleidet zu sein? Dabei sollten wir uns fragen, wie oft wir die Kleidungsstücke in unserem Schrank wirklich tragen und ob es sich lohnt, in Jeans Nummer 25 zu investieren. Dann lieber das eine oder andere Designerstück, das wir über viele Jahre hinweg wertschätzen.

Lagom und mein Zuhause: Wie richte ich mich mit Lagom ein?

Hand aufs Herz: Lässt sich Lagom wirklich in einem Einrichtungsstil verwirklichen? Selbstverständlich! Auch in der Einrichtung gilt es, die goldene Mitte zwischen absolutem Purismus und zu viel Krimskrams in einem Raum zu finden. Das gilt nicht nur für die Wohnzimmer, Küchen und Bäder, sondern auch für unsere Möbel, die Wandgestaltung, die Farbpalette und Accessoires.

Wichtig zu beachten: Lagom ist ein Gefühl, das von Person zu Person verschieden sein kann. Denn unsere Zufriedenheit – auch bei der Wohnungseinrichtung – bestimmt letztlich, ob wir die goldene Mitte für uns getroffen haben. Beispiel: Sie macht eine Ihrer Zimmerecken mit vielen Accessoires nervös? Dann stimmt hier etwas nicht und Sie sollten so lange entrümpeln und umstellen, bis sich eine Gelassenheit einstellt. Aber eventuell fühlen sie sich auch in einer zu nüchternen Wohnungseinrichtung verloren? Dann sollten Sie das minimalistische Konzept um einige Komponenten erweitern, bis sich Ihr Zuhause wie ein Rückzugsort anfühlt.

Lagom: Nachhaltigkeit statt Überfluss

Bei Innenarchitekten und Möbeldesignern beliebt: Die These, dass ein Design immer zuerst einem Zweck folgen muss. Das ist vielen zum Beispiel aus dem Bauhaus-Stil bekannt und kann bei der Einrichtung nach Lagom helfen. Denn in dem Moment, wo ein gut funktionierendes Möbelstück mit einem wunderschönen Design daherkommt, schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Denn wir erhalten ein Möbelstück und ein gutes Design in einem Objekt.

Das gleiche Prinzip funktioniert aber auch mit Wohnaccessoires, Textilien und Zimmerpflanzen zum Beispiel: Sie sorgen in unseren Räumen nicht nur für eine natürliche Verbindung zwischen Innenräumen und Außenwelt, sondern sie tragen auch dazu bei, die Raumluft zu reinigen. Einen Urwald müssen Sie sich deswegen im Haus nicht anlegen. Hier zählt das dezente Akzentuieren des Zimmers mit ausgewählten Pflanzen, um die wir uns Tag für Tag behutsam kümmern. Das tut der Pflanze und uns selbst gut.

Ähnlich wie bei Hygge kommen übrigens auch hier vor allem natürliche Materialien aus Holz, Wolle, Leder oder Naturstein zum Tragen. Aber während Hygge einen hohen Kuschelfaktor einnimmt und man sich gar nicht gemütlich genug einrichten kann, ist Lagom eher dezent angelegt.

Übrigens: Selbst das große schwedische Möbelhaus IKEA hat den Trend der Zeit erkannt und weiß, dass es um mehr als die Produktion billiger Möbel gehen muss und investiert mittlerweile in hochwertige Stühle, Betten und Schränke aus nachhaltiger Produktion.

Fazit

Lagom ist weniger ein Wohntrend, sondern eher ein Lebensgefühl, in dem wir die goldene Mitte finden sollten. Insofern hat Lagom etwas von Trends wie Hygge, WabiSabi, Yoga oder gar dem klassischen Minimalismus. Das Schöne daran: Die Antwort, wie Lagom geht, liegt in jedem selbst. Insofern sollten wir lernen, wieder auf unsere innere Stimme zu hören, die intuitiv sagt, wie Gelassenheit geht.

Bücher zum Thema

Göran Everdahl: Lagom – Die Schwedische Art der Achtsamkeit

Anna Brones – Lagom: Das Geheimnis des schwedischen Lebensglücks

Margareta Schildt Landgren und Christina Uhlin: So schmeckt Schweden: Die besten Rezepte für jede Jahreszeit. Lagom – kochen und genießen in Balance

Niki Brantmark und Wiebke Krabbe:  My Scandinavian Home: Der Traum vom einfachen Wohnen

Titelbild: Carolyn V on Unsplash