Fugen sind ein unverzichtbarer Bestandteil im Estrichbau. Sie steuern Spannungen, verhindern Rissbildung und sichern die Langlebigkeit von Böden. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen Bewegungsfugen (Dehnungsfugen)und Scheinfugen. Beide Arten erfüllen unterschiedliche Aufgaben – und beide müssen unbedingt richtig geplant und ausgeführt werden.
Scheinfuge – die Sollbruchstelle im Estrich
Eine Scheinfuge ist ein gezielter Kellenschnitt in der Estrichoberfläche. Sie wird während des Einbaus vom Handwerker eingeschnitten, um eine Sollbruchstelle zu erzeugen. Kommt es später zu Spannungen oder Rissen, bricht der Estrich gezielt an dieser Stelle – statt unkontrolliert quer durch die Fläche.
Praxis-Tipp:
Scheinfugen dienen nur der Risssteuerung im Estrich selbst. Sie ersetzen keine Bewegungs- oder Dehnungsfugen und dürfen nicht einfach weggelassen werden.

Bewegungs- und Dehnungsfugen – Spannungen kontrollieren
Bewegungsfugen, auch Dehnungsfugen genannt, teilen Estrichflächen in eigenständige Felder. Sie werden mit Randdämmstreifen ausgeführt, die eine elastische Trennung zwischen den Estrichplatten schaffen. Dadurch kann sich jedes Feld beim Trocknen oder bei Temperaturschwankungen unabhängig bewegen.
Ohne Dehnungsfugen entstehen Spannungen durch die sogenannte Trocknungsschwindung – und diese führen fast immer zu unkontrollierter Rissbildung.

Estrich auf Trennlage oder schwimmender Estrich
Besonders relevant sind Bewegungsfugen bei:
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Estrich auf Trennlage (z. B. durch eine PE-Folie vom Untergrund getrennt)
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schwimmendem Estrich auf einer Dämmschicht
In beiden Fällen kann die Fläche nicht beliebig groß angelegt werden. Fehlen die Fugen, entstehen schnell Schäden durch Eigenspannung.
Vorgaben für Feldgrößen und Seitenlängen
Die genauen Grenzwerte für Estrichfelder sind im ZDB-Merkblatt „Beläge auf Zementestrich“ und im „Beläge auf Calciumsulfatestrich“ sowie in der DIN 18560 Estriche im Bauwesen festgelegt:
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Zementestrich unbeheizt:
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max. Seitenlänge: ca. 8 m
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max. Feldgröße: 60 m²
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Zementestrich beheizt:
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max. Seitenlänge: 6,5 m
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max. Feldgröße: 40 m²
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Calciumsulfatestrich unbeheizt:
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max. Seitenlänge: 20 m
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max. Feldgröße: 100 m²
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Calciumsulfatestrich beheizt:
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max. Seitenlänge: 10 m
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max. Feldgröße: 100 m²
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Typische Fehler im Umgang mit Estrichfugen
In der Praxis entstehen Schäden oft durch falsche Ausführung. Häufige Fehler sind:
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Bewegungsfugen werden nicht in den Oberbelag übernommen → Fliesen oder Parkett reißen.
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Estrichfelder werden zu groß angelegt → es kommt zu unkontrollierten Rissen.
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Fugen werden nachträglich zugespachtelt oder unelastisch geschlossen → keine Beweglichkeit mehr vorhanden.
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Türdurchgänge ohne Fuge → Spannungen konzentrieren sich und verursachen Schäden.
Fugen in den Belag übernehmen
Alle Fugenarten müssen später auch im Oberbelag sichtbar und funktionsfähig sein:
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Fliesen: Fugen werden als elastische Silikonfugen ausgeführt.
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Parkett / Laminat: Übergänge erfolgen über Dehnungsprofile.
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Vinyl / Teppich: Verwendung von Profilen oder Abdeckleisten.
So bleibt die Beweglichkeit der Estrichfelder dauerhaft erhalten.
Weitere Estricharten kurz erwähnt
Neben Zement- und Calciumsulfatestrichen gibt es auch Magnesitestriche oder Asphaltestriche. Auch hier sind Bewegungs- und Dehnungsfugen notwendig, wenn auch mit anderen Feldgrößen und bauphysikalischen Eigenschaften.
Checkliste: Das Wichtigste auf einen Blick
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Scheinfuge = Sollbruchstelle durch Kellenschnitt
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Bewegungs-/Dehnungsfuge = Trennung von Estrichfeldern
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Feldgrößen und Seitenlängen nach ZDB-Merkblatt und DIN 18560 beachten
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Fugen in den Oberbelag übernehmen (z. B. mit Fugenmörtel und Silikon)
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Fugen besonders bei Türdurchgängen, Heizkreiswechseln und Bauwerksfugen einplanen
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
1. Was ist der Unterschied zwischen Bewegungsfugen und Dehnungsfugen?
Es gibt keinen Unterschied – die Begriffe werden synonym verwendet. Beide beschreiben Fugen, die Estrichfelder elastisch voneinander trennen.
2. Warum sind Bewegungsfugen im Estrich so wichtig?
Sie verhindern Spannungsrisse, die durch Trocknung, Temperaturänderungen oder Heizsysteme entstehen. Ohne Fugen kommt es fast immer zu unkontrollierten Schäden.
3. Müssen Scheinfugen in den Belag übernommen werden?
Ja, sowohl Scheinfugen als auch Bewegungs-/Dehnungsfugen müssen im Belag als elastische Fugen sichtbar bleiben. Andernfalls verliert der Boden seine Beweglichkeit.
4. Welche Fugen sind bei Fußbodenheizungen besonders wichtig?
Bei beheizten Estrichen müssen Bewegungsfugen enger gesetzt werden (max. 40 m² bei Zementestrich, 100 m² bei Calciumsulfat). Außerdem sind Fugen zwischen unterschiedlichen Heizkreisen zwingend erforderlich → Verweis auf Fußbodenheizungssysteme.
5. Kann man Fugen nachträglich schließen?
Nein – Bewegungs- und Dehnungsfugen dürfen niemals starr verschlossen werden. Sie müssen elastisch bleiben, sonst entstehen Schäden am Bodenbelag.
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Fazit:
Ob Scheinfuge, Bewegungsfuge oder Dehnungsfuge – alle sind essenziell für einen langlebigen und schadensfreien Estrich. Wer die ZDB- und DIN-Vorgaben beachtet, typische Fehler vermeidet und die Fugen konsequent in den Belag übernimmt, legt die Grundlage für stabile und optisch einwandfreie Böden.

